Schielbehandlung

Strabismus, auch bekannt als Augenfehlstellung oder Schielen, ist ein Zustand, bei dem die Augen nicht in die gleiche Richtung schauen und unbehandelt das Sehvermögen sowie die Tiefenwahrnehmung beeinträchtigen können.

_Strabismus Treatment

Was ist Strabismus (Augenfehlstellung)?

Strabismus, auch bekannt als Augenfehlstellung oder „Schielen“, liegt vor, wenn ein Auge nicht richtig mit dem anderen ausgerichtet ist. In einem gesunden visuellen System arbeiten die sechs Muskeln, die die Augenbewegung steuern, koordiniert zusammen und lenken beide Augen in dieselbe Richtung.

Beim Strabismus gelingt diese Koordination nicht richtig, sodass die Augen in unterschiedliche Richtungen zeigen. Diese Erkrankung tritt am häufigsten bei Kindern auf, kann sich aber auch bei Erwachsenen entwickeln – zum Beispiel in Folge eines Schlaganfalls, eines Traumas oder durch ein Wiederauftreten von Strabismus aus der Kindheit, der damals nicht oder nur unzureichend behandelt wurde.

Welche Arten von Strabismus gibt es?

Es gibt verschiedene Formen von Strabismus, die jeweils eigene Merkmale aufweisen:

  • Akkommodative Esotropie: Häufig mit unkorrektierter Weitsichtigkeit und familiärer Vorbelastung verbunden. Durch den zusätzlichen Fokussierungsaufwand (Akkommodation) drehen sich die Augen nach innen.
  • Intermittierende Exotropie: Ein Auge richtet sich auf ein Ziel aus, während das andere Auge nach außen abweicht. Der Blick kann zwischen einer geraden Stellung und einer nach außen gerichteten Position hin und her wechseln.
  • Infantile Esotropie: Bei Säuglingen unter 6 Monaten kann es zu einer ausgeprägten Einwärtsdrehung der Augen kommen. Brillen korrigieren diese Form in der Regel nicht, und häufig ist eine Operation erforderlich, um die Augen wieder auszurichten.

Strabismus kann auch nach Stellung der Augen oder nach Häufigkeit des Auftretens klassifiziert werden:

  • Esotropie: Das Auge ist nach innen gerichtet (horizontale Fehlstellung).
  • Exotropie: Das Auge ist nach außen gerichtet (horizontale Fehlstellung).
  • Hypertropie: Das Auge ist nach oben gerichtet (vertikale Fehlstellung).
  • Hypotropie: Das Auge ist nach unten gerichtet (vertikale Fehlstellung).
  • Intermittierend: Die Fehlstellung tritt nur zeitweise auf.
  • Konstant: Die Fehlstellung ist dauerhaft vorhanden.
  • Unilateral: Ständig dasselbe Auge ist betroffen.
  • Alternierend: Die Fehlstellung wechselt zwischen beiden Augen.

Einige Strabismusformen stehen im Zusammenhang mit Funktionsstörungen bestimmter Hirnnerven, zum Beispiel Lähmungen des Nervus oculomotorius, des Musculus obliquus superior oder des Nervus abducens.

Wie häufig ist Strabismus?

Strabismus betrifft schätzungsweise etwa 4 % der Bevölkerung in den USA, was ungefähr 13 Millionen Menschen entspricht. Damit handelt es sich um eine relativ häufige Augenkrankheit.

Symptome und Ursachen

Welche Symptome hat Strabismus?

Häufige Anzeichen und Symptome von Strabismus sind:

  • Doppeltsehen (Diplopie)
  • Abdecken oder Schließen eines Auges bei Nah- oder Fernarbeit
  • Kopfneigung oder Kopfdrehung, um die Fehlstellung zu kompensieren
  • Kopfschmerzen oder Augenbrennen / Augenbelastung
  • Schwierigkeiten beim Lesen oder beim Fokussieren auf Aufgaben

Wann treten die Symptome von Strabismus auf?

Strabismus wird in der Regel bis zum Alter von etwa 3 Jahren auffällig. Leichtes „Wandern“ der Augen bei Neugeborenen ist normal, doch im Alter von 3–4 Monaten sollten die Augen dauerhaft gerade und koordiniert ausgerichtet sein. Ein plötzlicher Beginn von Strabismus bei älteren Kindern oder Erwachsenen kann auf neurologische Probleme hindeuten und sollte umgehend augenärztlich oder neurologisch abgeklärt werden.

Pseudostrabismus

Pseudostrabismus kann bei Säuglingen den Eindruck erwecken, dass die Augen schielen, obwohl sie tatsächlich korrekt ausgerichtet sind. Dies hängt häufig mit bestimmten Gesichtszügen zusammen, zum Beispiel einer flachen Nasenwurzel oder überschüssiger Haut im inneren Lidbereich. Wenn das Gesicht wächst und sich die Proportionen verändern, wirkt der Blick im Laufe der Zeit normal, und ein echtes Schielen liegt nicht vor.

Was verursacht Strabismus?

Die meisten Strabismusfälle entstehen durch Probleme in der neuromuskulären Steuerung – also darin, wie das Gehirn die Augenbewegungen kontrolliert. Seltener liegt die Ursache in einer strukturellen Störung der Augenmuskeln selbst. Eine familiäre Vorbelastung spielt eine wichtige Rolle: Man geht davon aus, dass etwa 30 % der Kinder mit Strabismus nahe Verwandte mit einer ähnlichen Augenfehlstellung haben.

Risikofaktoren für Strabismus

Verschiedene Faktoren können das Risiko für die Entwicklung von Strabismus erhöhen:

  • Unkorrigierte Refraktionsfehler (z. B. Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit oder Astigmatismus)
  • Schlechte Sehfähigkeit in einem Auge
  • Zerebralparese
  • Down-Syndrom (bei 20–60 % der Betroffenen tritt Strabismus auf)
  • Hydrocephalus (Wasserkopf)
  • Hirntumoren oder andere neurologische Erkrankungen
  • Schlaganfall (häufigste Ursache von Strabismus im Erwachsenenalter)
  • Kopfverletzungen, die Nerven oder Muskeln betreffen, welche die Augenbewegungen steuern
  • Morbus Basedow oder andere Erkrankungen mit übermäßiger Produktion von Schilddrüsenhormonen

Welche Komplikationen kann Strabismus verursachen?

Unbehandelter Strabismus kann zu mehreren Komplikationen führen:

  • Amblyopie (träges Auge): Schlechte Sehschärfe im schielenden Auge, weil das Gehirn dessen Bild unterdrückt.
  • Verschwommenes Sehen, das Arbeit, Schule und Hobbys beeinträchtigen kann.
  • Augenbelastung, Kopfschmerzen und Müdigkeit.
  • Verminderte Tiefenwahrnehmung und eingeschränktes 3D-Sehen.
  • Niedriges Selbstwertgefühl oder soziale Unsicherheit, insbesondere bei Kindern.
  • Übersehen von zugrunde liegenden neurologischen Erkrankungen, zum Beispiel Hirntumoren.

Diagnose und Untersuchungen

Ein Kind, das älter als 4 Monate ist und bei dem ein Strabismus vermutet wird, sollte zu einer vollständigen augenärztlichen Untersuchung bei einem pädiatrischen Augenarzt vorgestellt werden. Die Beurteilung kann Folgendes umfassen:

  • Erhebung der medizinischen Vorgeschichte
  • Messung der Sehschärfe (Visusprüfung)
  • Refraktionsbestimmung, um den Bedarf an Korrektionsgläsern zu prüfen
  • Tests zur Überprüfung der Augenstellung und der Fokussierungsfähigkeit
  • Untersuchung der Augen nach Pupillenerweiterung (dilatierte Untersuchung)

Darüber hinaus werden Faktoren wie Alter bei Beginn des Strabismus, ob ein oder beide Augen betroffen sind, die Häufigkeit der Fehlstellung und die familiäre Vorgeschichte berücksichtigt.

Behandlung und Therapie

Wie wird Strabismus behandelt?

Die Behandlung von Strabismus richtet sich nach Art, Ursache und Schwere der Fehlstellung. Häufig eingesetzte Optionen sind:

  • Brillen oder Kontaktlinsen: Korrigieren Refraktionsfehler und können helfen, die Augen auf natürliche Weise besser auszurichten.
  • Prismenlinsen: Verändern den Lichteinfall ins Auge, um Doppelbilder zu reduzieren und das Sehen zu erleichtern.
  • Orthoptische Übungen (Augenübungen): Trainieren die Koordination der Augenmuskeln, insbesondere bei Konvergenzinsuffizienz oder bestimmten Formen von Schielstellungen.
  • Medikamentöse Behandlung: Injektionen mit Botulinumtoxin (Botox®) oder bestimmte Augentropfen können überaktive Muskeln vorübergehend schwächen und so die Ausrichtung verbessern.
  • Pflastertherapie (Okklusion): Wird zur Behandlung von Amblyopie eingesetzt, um das sehschwächere Auge zu stimulieren und die Sehschärfe zu verbessern.
  • Augenmuskeloperation: Chirurgische Anpassung der Länge oder Position der Augenmuskeln, um die Augen besser auszurichten. Bei Erwachsenen kann teilweise eine verstellbare Operationstechnik angewandt werden, um die Ausrichtung nach dem Eingriff feinzujustieren.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind entscheidend, um den Verlauf zu überwachen, Behandlungen gegebenenfalls anzupassen und mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Ausblick / Prognose

Bei frühzeitiger Diagnose und angemessener Behandlung können Kinder in vielen Fällen eine sehr gute Sehschärfe und eine gute Tiefenwahrnehmung entwickeln. Auch Erwachsene können von einer Strabismusbehandlung profitieren, wobei das Ergebnis unter anderem davon abhängt, wie lange die Fehlstellung bereits besteht und ob Amblyopie vorliegt.

Vorbeugung

Strabismus selbst lässt sich nicht sicher verhindern, doch eine frühzeitige Erkennung ist von großer Bedeutung. Regelmäßige augenärztliche Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern ermöglichen es, Fehlstellungen und andere Augenprobleme früh zu erkennen und zu behandeln. Erwachsene sollten bei jeder Veränderung des Sehvermögens, insbesondere nach einem Schlaganfall oder einer Augenverletzung, rasch einen Augenarzt oder eine Augenärztin konsultieren.

Leben mit Strabismus

Sie sollten medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, wenn Sie bei sich oder Ihrem Kind eine Augenfehlstellung bemerken, plötzliche Sehveränderungen auftreten oder Augenbelastung und Kopfschmerzen im Zusammenhang mit Doppelbildern bestehen. Strabismus ist in jedem Alter behandelbar, und eine rechtzeitige Therapie kann Komplikationen verhindern und sowohl das Sehvermögen als auch das Selbstvertrauen deutlich verbessern.